Heute besteht wohl kein Zweifel mehr, dass im Zuge der enorm prosperierenden chinesischen Wirtschaft Chinesisch zum Beginn des 21. Jahrhunderts zu einer der großen Fremd- und Verkehrssprachen der Welt avancieren wird.
Der in jeder Hinsicht rasch wachsenden Bedeutung des Chinesischen entspricht inzwischen die enorme Nachfrage. 360 chinesische Unternehmen haben ihren Standort in Hamburg. Der Ruf der Wirtschaft nach mehr und besser ausgebildeten Chinesischexperten wird immer lauter. Schon heute werden Absolventen mit Chinesischkenntnissen anderen Bewerbern bei der Einstellung vorgezogen. Damit eröffnet Chinesisch für unsere Schüler zusätzliche Berufs- und Lebenschancen.
Vielen von uns erscheint das Chinesische fremd und komplex und deshalb unerreichbar. Ein Vorurteil. Jeder kann jederzeit neue Sprachen lernen. Je selbstverständlicher unsere Kinder mit der chinesischen Sprache umgehen werden, desto offener und selbstbewusster werden sie die globalen Herausforderungen annehmen können.
Die Kinder in der MSH lernen Hochchinesisch (auch Mandarin genannt). Es ist die offizielle Sprache in der Volksrepublik China, in der Republik China (Taiwan) und in Singapur. Sie wird von ca. 800 Millionen Menschen in der Welt gesprochen und ist damit die weltweit meistgesprochene Sprache.
Hochchinesisch gilt als sehr schwierige Sprache. Das stimmt aber nur bedingt. Chinesisch ist zunächst mal ganz anders als westliche Sprachen. Wer Chinesisch lernen möchte, sollte besonders auf die Unterschiede achten, weil diese auch andere Lernmethoden fordern als westliche Sprachen. Andere Aspekte der chinesischen Sprache sind leichter zu lernen als westliche Sprachen.
Der größte Unterschied ist die Schrift. Sie scheint unlernbar zu sein. Es gibt viele tausend Zeichen, die alle unterschiedlich sind, manchmal unterscheiden sie sich nur durch einen Strich oder Striche und Punkte. Dennoch gibt es einen Zugang. Jedes Schriftzeichen besteht aus sich wiederholenden Grundzeichen. Wenn man die Grundzeichen beherrscht, fällt das Erlernen neuer chinesischer Schriftzeichen zunehmend leichter.
Ein anderer Unterschied ist die Aussprache des Chinesischen, die Töne. Der wohl schwierigste Teil der gesprochenen chinesischen Sprache für uns Menschen aus dem Westen ist die Unterscheidung der Töne. Chinesisch ist eine tonale Sprache. Im Hochchinesischen gibt es vier unterschiedliche Töne und den schwachen oder neutralen Ton. Das bedeutet, dass der Verlauf der Tonhöhe eines gesprochenen Wortes eine Auswirkung auf die Bedeutung des Wortes hat. Ein Beispiel: Während das chinesische Wort „wen“ mit einem abfallenden Ton (= 4. Ton) gesprochen „Frage“ heißt, heißt es mit dem zuerst abfallenden und dann ansteigenden Ton (= 3. Ton) gesprochen „küssen“ oder „Kuss“. Aus der Frage nach dem Weg, könnte bei falscher Betonung die Frage entstehen: „Darf ich Sie küssen?“ Ohne die Beherrschung der Töne ist es unmöglich die chinesische Sprache richtig zu verstehen oder zu sprechen.
Die gute Nachricht: Die chinesische Sprache kennt fast keine Grammatik, es gibt weder Zukunftsformen noch Vergangenheitsformen. Verben werden nie verändert.
Das Erlernen der chinesischen Sprache braucht viel Zeit, Fleiß und Einfühlung. Das gilt für die chinesischen Kinder genau so wie für die europäischen. Dem kommunikativen und themenzentrierten Unterricht in der chinesischen Sprache muss für westliche Lerner zunächst einmal eine Phase der Vorbereitung, der Propädeutik, vorangehen. In dieser Phase von ca. 150 Unterrichtstunden wird die Umschrift der chinesischen Aussprache in lateinische Buchstaben (pinyin) gelernt, die Beherrschung der richtigen Strichreihenfolge für die chinesische Schrift und die Fähigkeit, beim Sprechen den richtigen Ton zu treffen.
Fleiß und Einfühlung sind notwendige Qualitäten, welche die Kinder in der MSH dadurch schätzen lernen werden, dass ihnen eine besondere atmosphärische Lernumgebung gegeben wird: Entspannung, Meditation, Ruhe, Intensität. In der MSH arbeiten chinesische Pädagogen mit modernen Sprach- und Bewegungspädagogen zusammen. Das Geheimnis der Schriftzeichen werden die Kinder anschaulich und liebevoll im Rahmen des Kunstunterrichts (Kalligraphie) erschließen.
Kinder akzeptieren besondere Anforderungen, wenn sie deren besondere Rahmenbedingungen kennen. Das chinesische Sprachenlernen steht immer im Kontext der Geschichte und Kultur des Chinesischen sowie in der Auseinandersetzung mit dem modernen China.
In der Primarstufe der MSH sowie in den ersten Jahrgängen der Sekundarstufe sollen alle wichtigen Vorläuferfähigkeiten (Grundzeichen, Umschrift in lateinische Buchstaben und Töne, Grundprinzipien der Wortbildung exemplarische Satzkonstruktionen) für die chinesische Sprache sicher erworben werden. Jedes Kind erhält genügend Zeit dafür. Bereits im zweiten Jahrgang beginnt der thematische, kommunikative Unterricht.
Am Ende der Primarstufe bzw. in Klasse 7 der ersten Jahrgänge der Sekundarstufe sollen die Schülerinnen und Schüler das Niveau der Kompetenzstufe A 2 des CEFR (= Gemeinsamer Europäischer Referenzrahmens für das Erlernen von Sprachen) erreicht haben. Dies ist möglich, da die chinesische Sprache eine sehr einfache Grammatik hat.
In der Sekundarstufe werden ganze Themenmodule in der chinesischen Sprache unterrichtet. Die Schülerinnen und Schüler können ihre chinesischen Sprachkenntnisse bis zur Hochschulreife an einer chinesischen Universität ausbauen, wobei sie Art und Umfang des zu erreichenden Kompetenzniveaus in der Sek II selbst bestimmen können. Das endgültige Sprachkonzept für die MSH wird sich an der Entwicklung der Fachdidaktik für das Chinesische in Europa sowie an den Richtlinien der Prüfungskommission Chinesisch als Fremdsprache (H.S.K.) orientieren.
_
The Common European Framework of Reference for Languages (CEFR) is a series of descriptions of abilities which can be applied to any language and can be used to set clear targets for achievements within language learning. It has now become accepted as a way of benchmarking language ability all over the world. http://www.coe.int/t/dg4/linguistic/CADRE_EN.asp
Die Ausbildung von Lehrkräften, die moderne Methoden des Sprachunterrichts mit der notwendigen präzisen Sequenzialität des chinesischen Sprachunterrichts verbinden können, steht in Deutschland erst am Anfang. Die zügige Entwicklung einer auf wissenschaftlicher Forschung basierenden Didaktik in China und anderen Teilen der Welt wird aber zunehmend modernste Methoden, Lehrmaterialien und Hilfsmittel verfügbar machen. Die MSH wird sich an diesen Entwicklungen orientieren und eigene Materialien generieren.
Die Lehrkräfte der ersten Jahrgänge werden chinesische Natives mit sehr guten deutschen Sprachkenntnissen sein, motivierende und inspirierende Persönlichkeiten, die aufgeschlossen für die moderne westliche Sprachpädagogik sind. Sie sollen sich im Sinne des Prinzips „Lebenslanges Lernen“ ständig fortbilden und selbst zu Multiplikatoren eines nachhaltigen modernen Chinesischunterrichts in Deutschland werden.
Zurzeit wird an etwa 30 Gymnasien in neun deutschen Bundesländern und in zwei Schulen in der Schweiz Chinesisch unterrichtet. Der gegenwärtige Entwicklungs-stand der Fachdidaktik für den Chinesischunterricht lässt die Darstellung eines vollständigen methodischen Systems noch nicht zu. In der Regel bestimmt die jeweilige Lehrkraft die Methode und die Wahl des Materials.
Ein konsequenter Chinesischunterricht von der Primarstufe bis zur Hochschulreife ist neu in Deutschland. Die MSH wir deshalb eine Fachbeirat damit beauftragen, ihr besonderes Sprachcurriculum und die gewonnen Erkenntnisse und Ergebnisse in regelmäßigen Abständen zu begutachten. Die MSH wird auf dieser Basis eigene Unterrichtsmaterialien entwickeln und erproben.